Bin ich psychisch krank - Glücksdetektiv

Bin ich psychisch krank? – Eine erste Orientierung für Verzweifelte

Viele Menschen, die leiden und denen es nicht gut geht, werden von großer Unsicherheit geplagt. Ab wann bin ich psychisch krank und wie gehe ich damit um?

Da gibt es ein gefährliches Halbwissen darüber, was psychische Störungen sind und panische Angst davor, krank zu sein und Hilfe zu benötigen. Und über allem steht die Scham, dass es einen selbst getroffen hat.

Es muss schrecklich verunsichernd sein, zu wissen, dass etwas nicht mit einem stimmt, aber gleichzeitig nicht zu wissen, was es ist und wie man damit umgehen soll.

Falls du gerade in so einer Situation steckst, soll dir der folgende Beitrag ein bisschen Orientierung geben und gleichzeitig einige der Vorurteile beseitigen, die sich noch immer um psychische Störungen ranken.

Bin ich psychisch krank?

Wenn es dir über längere Zeit schlecht geht, kommt früher oder später der Zeitpunkt, an dem du dich fragst, ob das eigentlich noch normal ist.

  • Wenn du einen Todesfall verkraften musstest, ist es völlig natürlich zu trauern. Aber wie lange ist trauern „normal“ und wann wird es ein Problem?
  • Bin ich nur faul, weil ich noch immer nicht mit den Bewerbungsschreiben begonnen habe oder ist das schon eine klinische Antriebslosigkeit?
  • Habe ich nach dem Jobverlust eine vorübergehende Sinnkrise oder rutsche ich gerade in eine ausgewachsene Depression?
  • Ist mein häufiges Trinken in letzter Zeit nur eine vorübergehende Ablenkung oder habe ich inzwischen eine handfeste Abhängigkeit entwickelt?
  • Kurzum: Ab wann bin ich nicht mehr normal/bin ich psychisch krank?

Die meisten, die sich diese Frage stellen, werden wahrscheinlich als erstes das Internet bemühen.

Dann werden stundenlang Webseiten durchforstet und Symptome verglichen, was nicht selten in totaler Panik endet. Denn wie du ja weißt, macht das Internet sehr schnell aus einer harmlosen Verstopfung einen tödlichen Darmkrebs.

Wohin sollst du dich aber sonst wenden?

Bin ich psychisch krank? - GlücksdetektivVerwandte und Freunde reagieren auf diese Thematik zumeist auf eine der zwei Arten: Die erste Variante ist, dass sie alles bagatellisieren, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass du womöglich wirklich ein Problem hast. Da heißt es dann, du machst einfach eine „Phase“ durch und musst dich nur wieder etwas zusammenreißen, dann wird das schon wieder.

Die andere Variante ist das genaue Gegenteil. D.h. dir fliegen sofort irgendwelche Pseudo-Diagnosen um die Ohren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dir eine Depression oder ein Burnout attestieren, ist schon allein deshalb sehr groß, weil diese am häufigsten in den Medien vertreten sind.

Was also kannst du tun?

Das erste, was du wissen musst, wenn du dir diese Frage stellst, ist: vergiss normal! Es geht nicht darum, ob du normal bist.

Normal gibt es nicht.

Alles ist normal und nichts ist normal. Mit diesem Begriff kannst du überhaupt nichts anfangen.

Auch die Frage, bin ich psychisch krank? muss dich nicht weiter interessieren.

Stelle dir lieber die folgenden Fragen:

1. Bist du plötzlich ganz anders als zuvor ohne das es dafür einen ersichtlichen Grund gibt?

Menschen, die bspw. unter einer Depression leiden, finden plötzlich an nichts mehr Freude. Dinge, die ihnen früher Spaß gemacht haben, bedeuten ihnen nichts mehr. Dinge, die ihnen früher wichtig waren, machen plötzlich keinen Sinn mehr.

Es ist nicht selten so, als wäre die frühere Person völlig verschwunden. Wenn du dich selbst so überhaupt nicht wiedererkennst, dann kann das ein Grund zur Sorge sein.

2. Ist es auf Grund deines Leidens in mehreren Bereichen deines Lebens zu Problemen gekommen?

Bin ich psychisch krank? - GlücksdetektivDer Psychiater Manfred Lütz* behauptet, man könne Alkoholabhängigkeit anhand von drei simplen Fragen auf die Schliche kommen. Und bei diesen geht es nicht etwa darum, wie häufig oder wie viel man trinkt.

Nein. Es geht um die drei F’s: Firma, Frau, Führerschein.

Er fragte seine Patienten daher einfach, ob sie auf Grund des Alkohols schon mal Probleme bei der Arbeit hatten, Probleme in ihrer Beziehung/Ehe und ob ihnen schon mal der Führerschein entzogen wurde.

Auch hier gilt wieder: eine Sache allein muss überhaupt nichts bedeuten. Ab wenn es bei dir in letzter Zeit gehäuft in verschiedenen Bereichen deines Lebens zu Problemen kam, dann solltest du etwas genauer hinsehen.

3. Wie sehr hält dich dein Leiden davon ab, für dich selbst zu sorgen, das zu tun, was du gerne tun würdest und davon, glücklich zu sein?

Letzten Endes ist nicht relevant, wie viele Symptome du wie häufig in welchen Situationen zeigst. Wenn du subjektiv stark unter deiner Situation leidest, dann ist das immer ein Grund, sich Hilfe zu suchen.

Und Psychiater und Psychotherapeuten sind in erster Linie dafür da, dir zu helfen und dein Leiden zu lindern, damit es dir bald wieder bessergehen kann.

Dazu dienen übrigens auch Diagnosen.

Ich weiß, es ist keine schöne Vorstellung, ein Label aufgedrückt bekommen und dann der depressive oder der schizophrene sein. Man möchte die individuelle Person bleiben, die man ist.

In der Theorie sind Diagnosen aber nichts Schlechtes. Sie dienen lediglich dafür, ein Krankheitsbild besser einordnen zu können, so dass die beste Behandlungsmethode gefunden werden kann.

Die eigentliche Therapie sollte sich dann aber immer nach der jeweiligen Person richten und nach ihren ganz spezifischen Bedürfnissen.

Ist es meine Schuld, krank zu sein?

Bin ich psychisch krank? - GlücksdetektivDas nächste Probleme, wenn du dich mit der Frage: bin ich psychisch krank? beschäftigst, ist, dass psychische Störungen in vielen Köpfen noch immer mit einem Stigma belegt sind.

Vielleicht versuchst du daher händeringend einen Gang zum Psychiater/Therapeuten zu vermeiden. Du willst schließlich nicht als krank deklariert werden. Vielleicht empfindest du krank sein sogar als persönliches Versagen…

Gerade in unserer heutigen Gesellschaft wird von uns verlangt, ständig zu funktionieren. So lange du morgens aus dem Bett kommst, deine Arbeit erledigst, deine Steuern bezahlst und einmal jährlich zur Zahnprophylaxe gehst, ist alles in Ordnung.

Aber was ist, wenn du diesen Anforderungen nicht mehr nachkommen kannst? Was ist, wenn es dir über längere Zeit so schlecht geht, dass du dir nicht mehr selbst aus dieser Krise heraushelfen kannst?

Macht dich das zu einem schwächeren Menschen? Zu einem Versager?

Natürlich nicht!

So doof es auch klingt: Manchmal erwischt es uns einfach. Du weißt so gut wie ich, dass die Welt nicht immer gerecht ist.

Vielleicht hast du etwas Schlimmes erlebt. Vielleicht hast du eine schwierige Zeit durchgemacht. Und vielleicht hast du einfach eine Veranlagung für was auch immer dich jetzt gerade plagt.

Auch Angehörige von psychisch kranken belasten sich häufig mit diesen Fragen: „habe ich etwas falsch gemacht“, „hätte ich es verhindern können?“, „ist es meine Schuld, dass es ihm/ihr jetzt so schlecht geht?“.

Für die meisten psychischen Störungen gibt es eine genetische Komponente. Akute Stresssituationen können dann zum Ausbruch der Krankheit führen.

Schuld ist aber für gewöhnlich niemand daran.

Professionelle Hilfe oder nicht?

Bin ich psychisch krank? - GlücksdetektivEin weiterer Grund, warum sich viele Menschen nicht zum Arzt oder Therapeuten trauen, ist die Angst davor, was dann mit ihnen passieren wird.

Leider ranken sich nach wie vor zahlreiche Vorurteile um die Psychiatrie oder die Behandlung von Menschen mit psychischen Störungen.

Gleich vorweg: niemand sperrt dich einfach so gegen deinen Willen irgendwo ein.

Es gibt nur einen einzigen Grund, aus dem so etwas passieren kann, nämlich dann, wenn du für dich selbst oder für andere eine akute Gefahr darstellst. In allen anderen Fällen entscheidest du selbst, ob du dich stationär aufnehmen lassen willst oder nicht.

Und das ist bei weitem nicht die einzige Option, die du dann hast.

In der Regel sind Ärzte und Therapeuten heutzutage sehr bemüht, dich in deiner natürlichen Umgebung zu belassen und dir so viel Autonomie wie möglich zu erhalten. Das bedeutet dann meistens, dass du einen Termin beim Psychotherapeuten kriegst und dort einmal wöchentlich hingest. Das ist also ein ganz normaler Termin in deinem Kalender, so wie der Termin bei der Kosmetikerin oder beim Hausarzt auch.

Bin ich psychisch krank? - GlücksdetektivJe nachdem, wie es dir geht kann es aber auch eine große Entlastung sein dich in einer Klinik aufnehmen zu lassen. Auf diese Weise kannst du deinem normalen Alltag und deinen Verpflichtungen vorübergehend entkommen und musst auch nicht länger allein für dich verantwortlich sein.

Einige Patienten erleben das als große Erleichterung.

Egal, wie du dich entscheidest, wichtig ist, dass du dich mit deinem behandelnden Psychiater/Psychotherapeuten wohl fühlst. Und da ist es, wie bei jedem anderen Arzt auch:

Ein guter Psychiater/Therapeut zeichnet sich dadurch aus, dass es dir genau erklärt, was da gerade mit dir passiert um dann gemeinsam mit dir die Möglichkeiten bespricht um die beste Lösung zu finden.


Die wichtige Frage ist also nicht: bin ich psychisch krank? Wenn es dir seit längerer Zeit sehr schlecht geht, du mit den Anforderungen des Alltags nicht mehr zurechtkommst und/oder dich selbst gar nicht wiedererkennst, trau dich zum Arzt zu gehen und mit ihm/ihr den weiteren Weg zu besprechen.

Fragen kostet nichts und es macht dich nicht zu einem schwächeren oder schlechteren Menschen, wenn du Hilfe brauchst. Hilfe brauchen wir alle einmal!

Und wo es Hilfe gibt, gibt es auch Aussicht auf Besserung.

Ich hoffe, der Artikel war dir eine kleine Hilfe. Lass mich in den Kommentaren gerne wissen, wie es dir damit geht. Und wenn du mehr von mir lesen und vielleicht ja auch meine Hilfe annehmen willst, trag hier deine E-Mail-Adresse ein und ich begleite dich ein Stück auf deinem Weg.

18 Kommentare
  • Unbekannter Leser
    schrieb um 10:50h, 01 Februar Antworten

    Ich finde es ja am schwierigsten, überhaupt den „ersten Schritt“ zu machen, um einen Therapeuten zu finden. Da muss man herumtelefonieren, und die meisten haben dann keinen Termin frei, oder erst in einem Dreivierteljahr oder so. So weiß ich schon länger, dass ich gerne eine Therapie machen würde (unabhängig davon, ob „psychisch krank“ oder nicht, denn diese Definition finde ich unpassend, solange es nichts pathologisches ist), aber die „Einstiegshürde“ ist mir dafür einfach zu hoch! Leider habe ich auch noch kein wirkliches „Hilfsangebot“ gefunden, was das Ganze niederschwelliger gestaltet…

    • Andrea
      schrieb um 13:04h, 01 Februar Antworten

      Hallo, unbekannter Leser,

      vielleicht zwei Hinweise, die dir weiterhelfen können: Bitte dokumentiere, wann du welchen Therapeuten angerufen hast und was dabei besprochen wurde („kein Platz frei, soll mich in einem halben Jahr wieder melden“ oder „Therapeut hat eine lange Warteliste und ruft mich an, wenn er einen Platz frei hat“ o.ä.). Wenn du nach einer gewissen Weile, ungefähr drei Monate, nichts gefunden hast, dann rufe deine Krankenkasse an, mache deinen Bedarf deutlich und frage nach dem Kostenerstattungsverfahren. Das bedeutet, dass die Krankenkasse in den Fällen, in denen eine Therapie notwendig ist, aber nach einer angemessenen Wartezeit kein kassenärztlich zugelassener Therapeut einen freien Platz hat, dir quasi die Erlaubnis gibt, einen Therapeuten zu finden, der privat abrechnet – die Krankenkasse übernimmt dann dafür die Kosten.

      Eine weitere Möglichkeit: Schau doch mal, ob es in deiner Nähe eine Ausbildungsstätte für Psychotherapeuten gibt. Diese müssen in ihrer Ausbildung Praxiserfahrungen sammeln. Nachteil: Es sind noch unerfahrene Therapeuten. Vorteil: Das muss nicht vom Nachteil sein ;-), sie gehen noch unvoreingenommen an ihre Patienten heran. Die Qualität der Therapie leidet nicht, denn die „Therapeuten-Azubis“ werden engmaschig supervisiert und sind außerdem nah dran am aktuellsten Fachwissen. Die Abrechnung erfolgt ganz normal über die Krankenkasse.

      @ Liebe Katharina,

      auch meinerseits „Danke“ für deinen Beitrag, du hast kurz und bündig das Wichtigste auf den Punkt gebracht. Ich würde mich freuen, wenn die Stigmata weniger werden würden, denn letztlich geht es doch darum, dass jeder Mensch unter gewissen Belastungen krank wird und dass wir dann allesamt nicht wegschauen und verurteilen sollten, sondern unterstützen – und sei es „nur“ damit, dass wir offen über diese Themen sprechen können. Was man auch nicht vergessen darf: Nicht umsonst spricht auch die WHO von psychischen KRANKHEITEN, nicht Charakterschwächen, nicht Faulheit. Eine Diagnose eröffnet einem auch die Möglichkeiten zur Behandlung und zu Unterstützungsmöglichkeiten, das ist nicht zu unterschätzen. Was Psychopharmaka betrifft, so ist das ein schwieriges Kapitel. Einerseits sind sie notwendig, manchmal auch, um überhaupt eine Behandlungsfähigkeit herzustellen (wer so schwer depressiv ist, das nichts mehr zu ihm durchdringt, der kann keine Psychotherapie machen; Menschen, die an einer Psychose erkranken, schaffen es oftmals erst durch Medikamente, Distanz zu ihren Wahnideen zu bekommen). Andererseits darf man die (Langzeit)Nebenwirkungen und bei einigen Medikamenten auch die potentielle Suchtgefahr nicht unter den Teppich kehren. Das muss sorgfältig mit dem Facharzt abgewogen werden.

      Ich würde auch Annies Beitrag unterstützen wollen: In jeder Stadt gibt es Beratungsstellen, die kostenfrei Beratung anbieten und dabei der Schweigepflicht unterliegen (ich arbeite selbst in einer solchen Beratungsstelle). Auch wenn man noch unsicher ist, was denn eigentlich mit einem los ist, kann man sich mithilfe einer Beratung vielleicht erst einmal sortieren und dann die nächsten Schritte besprechen. Dasselbe gilt für Angehörige. Wer daran interessiert ist: einfach mal in einer Suchmaschine den eigenen Ort und „Sozialpsychiatrischer Dienst“ eingeben.

      • Glücksdetektiv
        Glücksdetektiv
        schrieb um 17:13h, 01 Februar Antworten

        Liebe Andrea,

        tausend Dank für deinen wundervollen Kommentar.
        Du sprichst noch einmal ganz viele wichtige Punkte an, die eine wirklich gute Ergänzung zum Gesagten sind.
        Ich bin immer sehr froh und dankbar über solche Kommentare, weil viele Menschen hier mitlesen ohne sich offen zeigen zu wollen und die profitieren natürlich am meisten von Erfahrungsberichten und ganz viele nützlichen Tipps und Tricks, wie den deinen.

        Danke und liebe Grüße,
        Katharina

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 17:01h, 01 Februar Antworten

      Das kann ich verstehen. Leider ist hierzulande wirklich das größte Problem, schnell für Therapieplätze zu sorgen. So müssen Betroffene unhaltbar lange warten.
      Im Grunde gibt es einige niedrigschwellige Hilfsangebote, z.B. Cafes für bestimmte psychische Probleme, Selbsthilfegruppen, anonyme und kostenlose Krisenberatungen etc. Aber diese Angebote sind häufig nicht bekannt bzw. konzentrieren sich natürlich auch auf Großstädte und Ballungszentren…

  • Annie
    schrieb um 11:54h, 01 Februar Antworten

    Liebe Katharina,
    erstmal danke für diesen Beitrag zu diesem (leider immernoch) Tabuthema. Ich bin ja seit über 10 Jahren an Depressionen erkrankt und kann mittlerweile ganz gut damit umgehen. Der Grad zwischen einer schwierigen Phase, leichten Problematiken und einer pathologischen Erkrankung ist leider sehr schmal. Viele bemerken zu spät, dass sie eine Notbremse hätten ziehen müssen – besser auf sich aufpassen müssen. Wie meine Vorschreiberin schon andeutet ist es sehr schwer einen Psychotherapeuten zu finden, da die Wartezeiten enorm sind. Dazu kommt noch, dass es vielleicht bei dem ersten zwischenmenschlich noch nicht passt. es ist keinesfalls verwerflich sich mehrere anzuschauen. Für den Anfang eignet sich auch eine Beratungsstelle. Dort können relativ kurzfristig Termine vereinbart werden. Dazu ist das Angebot kostenfrei.

    Einen Psychiater würde ich dann aufsuchen, wenn wirklich gar nichts mehr geht. Medikamente sind gut und schön, allerdings wird zu oft verschwiegen wie schwer es ist wieder davon loszukommen. Ich schleiche gerade mein Antidepressiva aus (3. Versuch) und wünsche mir manchmal ich hätte nie damit angefangen. Zudem sollte zu einer Medikamentengabe immer auch eine Psychotherapie gemacht werden. Sie sind lediglich Stützten, keine Heilmittel.

    Als Betroffene mag ich noch sagen: Es ist möglich mit einer (chronischen) psychischen Erkrankung zu leben. Der Weg ist gerade zu Beginn sehr sehr steinig – umso besser, wenn eine Wegbegleitung aus dem privaten Umfeld dabei ist. Ganz wichtig ist auch sich ernst zu nehmen sowie ohne Scheu professionelle Hilfe zu suchen (Psychotherapie, Beratungsstelle, Coaching, Training, Selbsthilfegruppe).

    Annie

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 17:10h, 01 Februar Antworten

      Liebe Annie,

      herzlichen Dank für diesen hilfreichen und ehrlichen Kommentar.
      Ich finde, du sprichst ganz viele sehr wichtige Punkte an: z.B. dass es zwischen Therapeut und Klient auch „passen“ muss. Und zwar sowohl im Hinblick auf den Therapieansatz als auch auf die Person des Therapeuten.

      Medikamente sind auch ein vieldiskutiertes, umstrittenes Thema. Mitunter können sie sehr gut helfen und sind teilweise unabdingbar für den Therapieerfolg. Aber sie sollten immer mit voller Aufklärung über die Nebenwirkungen, nicht alleine und nur in Absprache mit dem Patienten verschrieben werden.

      Alles Liebe für dich,
      Katharina

  • Suzanne
    schrieb um 17:12h, 01 Februar Antworten

    Hallo Katharina,

    ein schöner, sachlicher Artikel – ich hoffe, viele Betroffene werden ihn finden und daraus Mut und Zuversicht schöpfen können.

    Ich persönlich hatte das „Glück“, dass es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schon viele Fälle von psychischen Erkrankungen/Beschwerden gegeben hat, bevor meine Angststörung in meinem Leben aufgetaucht ist. Dadurch hatte ich keine großen Berührungsängste mit dem Thema „Therapie“, bin seit einem Jahr bei einer tollen Therapeutin (zahle privat) und fast durch mit meinem Thema.

    Ich wollte damals einfach nur, dass mein Leben wieder schön wird und habe mir Hilfe geholt – kann das nur jedem anderen auch empfehlen.

    Genauso stimme ich Dir zum Thema stationär/nicht-stationär zu. Für mich persönlich wäre es nicht in die Tüte gekommen, in eine Klinik zu gehen – und es ist auch so wieder gut geworden. Eine Freundin von mir war mit Depressionen 6 oder 8 (?) Wochen in der Klinik und das war für sie genau richtig.

    Toller Artikel – ich hoffe, viele LeserInnen finden nun den Mut, sich Hilfe zu holen 🙂

    Alles Liebe
    Suzanne

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 17:19h, 01 Februar Antworten

      Danke dir Suzanne!

      Dein Beitrag macht bestimmt vielen Mut sich ebenfalls Hilfe zu holen, weil davon nicht die Welt untergeht sondern im besten Falle endlich wieder schön und wertvoll wird.

      LG und alles Gute für dich,
      Katharina

  • seinswandel
    schrieb um 18:55h, 02 Februar Antworten

    Liebe Katharina,
    danke für diesen schönen Beitrag. Ich finde, das sind gute Anhaltspunkte für eine erste Selbsteinschätzung und Orientierung. Es ist wirklich nicht leicht, da einen guten Weg für sich zu finden. Noch ein paar Gedanken dazu.

    (1) Eine Diagnose kann hilfreich sein, aber in vielerlei Hinsicht auch hinderlich. Man macht irgendwie ein Stempel drauf: Depression, Angststörung, Persönlichkeitsstörung usw., aber damit ist noch nicht wirklich etwas erklärt oder verstanden. In der Medizin hat sich immer mehr die Defizithypothese durchgesetzt, dass eine (psychsiche) Krankheit eine Funktionsstörung ist, die repariert oder geflickt werden muss, damit der Mensch wieder funktioniert. Dabei kann es in meinen Augen unter gar keinen Umständen darum gehen, wieder so zu werden (und zu funktionieren) wie vorher. Ich halte Symptome für eine dringliche, alarmierende Aufforderung einen persönlichen Entwicklungsprozess anzugehen. Die Selbst- und Fremdanforderung auf eine bestimmte Art zu funktionieren – sei es in der Familie, im Büro oder woanders – ist wohl meistens (immer?) Teil der Symptomatik.

    Das ist auch ein Problem mit dem Medikamenten. Manchmal ist das notwendig, ohne Frage, aber Medikamente alleine können m. E. einen solchen Entwicklungsprozess nicht leisten, sondern höchstens unterstützen, möglicherweise aber auch behindern.

    (2) Nach meiner Erfahrung ist es nicht immer das erste Therapie-/Hilfeangebot, das man findet und in Anspruch nimmt, was gut passt. Es kann also eine längere Suche sein. Ich habe inzwischen passende Formate für mich gefunden. Selbsthilfegruppen können eine gute Unterstützung sein.

    (3) Für ganz besonders wichtig halte ich das Prinzip Selbstverantwortung. Ich kann nichts dafür, dass ich eine bestimmte Krankheit oder Symptomatik habe, aber ich bin der einzige, der daran etwas ändern kann. Das wird mir niemand abnehmen können, weil es ja um einen persönlichen Transformationsprozess geht.

    (4) Ich halte es für hilfreich, so eng wie möglich an den eigenen Bedürfnissen entlang zu arbeiten. Was brauche ich jetzt? Was würde mir noch helfen oder gut tun? Kann ich irgendwie gut für mich sorgen? Ich hätte das ganz alleine nicht geschafft. Der Austausch und Kontakt mit anderen Menschen in einem geschützten Rahmen war sehr wichtig.

    Herzliche Grüße,
    Steven

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 19:00h, 03 Februar Antworten

      Lieber Steven,

      vielen Dank für diese tollen Ergänzungen.
      Selbstverantwortung ist ein großartiger Punkt. Es gibt auch Menschen, die zum Therapeuten kommen und dann quasi sagen: so, jetzt lösen sie mal all meine Probleme und machen mich wieder heil.
      Das geht natürlich nicht.
      Wir müssen schon selbst gewillt sein etwas zu ändern und dafür aktiv werden. Der Therapeut ist nur der Begleiter auf dem Weg, der Anstöße und Unterstützung bieten kann.

      Dir alles Gute.
      LG, Katharina

  • Sebastian
    schrieb um 12:03h, 11 Februar Antworten

    Hallo Katharina,

    schöner Artikel mit guten Anhaltspunkten, um herauszufinden, ob man an einer psychischen Erkrankung leidet, die einer Behandlung bedarf. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es eine große Überwindung sein kann, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, selbst wenn man das erkannt hat.

    Dabei gehört eine große Portion Mut dazu und ist somit ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

    @ Steven Du sprichst einen aus meiner Sicht ganz wichtigen Punkt an. Wenn man eine große Krise wie eine psychische Erkrankung überwindet, entwickelt man sich weiter. Ja, man kann diese Krise überhaupt nur überwinden, indem man sich weiterentwickelt.

    Und das ist gut so, da psychische Probleme uns in vielen Fällen zeigen, dass wir etwas ändern müssen.

    Lieben Gruß.

    Sebastian

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 18:15h, 12 Februar Antworten

      Lieber Sebastian,

      da stimme ich dir zu 100% zu: sich Hilfe zu holen erfordert Mut und Stärke. Es ist eine große Leistung, die gewürdigt werden sollte.

      Meiner Erfahrung nach sind die meisten Menschen, die psychische Probleme haben, sehr reflektierte und starke Personen.

      Lieben Gruß,
      Katharina

  • Ines
    schrieb um 17:53h, 21 Oktober Antworten

    Hallo Katharina, danke für diesen hilfreichen Artikel. Ich bin 22 Jahre alt und leide seit einigen Jahren an Ängsten. Unter anderem habe ich angst an etwas bösartigem zu erkranken. z.B. wenn ich merkwürdige Beschwerden habe, die ich nie bis jetzt in meinem Leben hatte, macht mir das Angst, versetzt mich in Panik, habe innere Unruhe. Meine Gedanke kreisen nur um die Beschwerden, es ist wie ein Teufelskreis. z.Z. habe ich Schluckbeschwerden die plötzlich aufgetreten sind. Ich habe angst zu essen oder trinken, weil ich denke ich könnte ersticken oder das mir was im Hals stecken bleiben könnte. Ich war bei mehreren Ärzten, auch Spezialisten, die Ärzte haben nichts gefuden, organisch ist alles in Ordnung. Diese Ängste habe ich nur wenn ich Beschwerden habe oder Symptome. Wenn ich mich Körperlich gesund fühle, dann habe ich keine Ängste oder vielleicht verdränge ich die. Ich habe schon mehrmals einen Therapieplatz gefunden, aber es leider nie konsquent durchgezogen, weil wenn ich mich gesund gefühlt habe, war ich der Meinung ich brauche keine professionelle Hilfe. Jetzt mache mir Vorwürfe ob eine Therapie für mich zu spät ist. Ich stecke z.Z. in einer schwierigen Situation, meine Ängste haben mich sehr stark im Griff. Habe in drei Wochen mein Erstgespräch bei einer Psychologin. Mein größter Wunsch und Hoffnung ist es, das mir die Psychologische Therapie hilft, keine Ängste mehr zu haben. Freude im leben zu haben und es zu geniessen. Ich entschuldige mich jetzt schon mal für meinen langen Text. Lieben Gruß, Ines

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 19:16h, 26 Oktober Antworten

      Liebe Ines,

      du musst dich nicht entschuldigen. Die Kommentare sind doch zum Mitteilen und Erzählen da und ich freue mich darüber 🙂

      Wieso sollte es jetzt zu spät für die therapeutische Hilfe sein? Mir ist nicht bekannt, dass es einen Zeitpunkt geben könnte, ab dem Therapien gegen Angst- und Panikstörungen nicht mehr helfen. Aber darüber wird dich ganz sicher auch die Therapeutin aufklären.

      Ich finde es toll, dass du diesen Termin ausgemacht hast und wünsche dir ganz viel Erfolg dabei. Und falls dich doch wieder Zweifel überkommen, frage dich einfach: Was kann ich dabei verlieren?

      LG, Katharina

  • Sonia
    schrieb um 20:59h, 30 Dezember Antworten

    Hallo liebe Katharina,

    du hast einen sehr spannenden und tollen Artikel geschrieben. Ich bin 22 Jahre alt und habe zurzeit total meine Orientierung verloren – ich stecke sozusagen seit einigen Monaten in einer Lebenskrise fest. Du hast einige Punkte angesprochen, die sehr wohl auch auf mich zutreffen. Nun bin ich bei einem Psychologen und ich hoffe er kann mir irgendwie weiterhelfen. Deine Seite ist sehr hilfreich, ich versuche mich ein wenig mit deinen Themen außeinanderzusetzen um dadurch wieder Schwung in mein Leben zu bringen. Wir leben in einer Gesellschaft, die vieles von uns verlangt und hohe Ansprüche stellt. Meine Lernschwierigkeit und Aufnahmefähigkeit sind nicht so gut, wie bei anderen Menschen. Was ich eigetlich mit all dem sagen wollte ist, dass ich es wundervoll finde, dass du dir so viel Mühe gibst und bereit bist im Netz so vielen Leuten zu helfen.

    HerzlicheGrüße aus Südtirol,

    Sonia

    • Glücksdetektiv
      Glücksdetektiv
      schrieb um 13:13h, 19 Januar Antworten

      Liebe Sonia,

      vielen Dank für deine freundlichen Worte.
      Ich glaube, dass wir früher oder später alle diesen Punkt erreichen, an dem wir vollkommen die Orientierung verlieren. Und ich versuche Menschen dabei zu unterstützen, an diesem Punkt nach innen zu schauen, nämlich auf ihre Bedürfnisse und Werte, und nicht darauf, was andere wollen oder die Gesellschaft vorgibt.
      Das ist meiner Meinung nach der nachhaltigste Weg aus der Krise.

      Dir wünsche ich alles Gute und viel Kraft.
      Herzliche Grüße nach Südtirol,
      Katharina

  • Carola Kluth
    schrieb um 11:53h, 21 April Antworten

    Liebe Katharina,
    auch bei mir wurde 2013 durch erhebliche Schicksalsschläge und einer schweren Ehekrise, die mit einer kurzzeitigen Trennung gipfelte, eine mittelschwere Depression diagnostiziert. Ich habe keinen Therapieplatz erhalten und so habe ich meinen Sport gefunden. Ich gehe 3 Mal die Woche in ein Fitnessstudio und die Zeit dazwischen gehe ich laufen oder mache Yoga. Seit ca. einem halben Jahr verspüre ich endlich eine deutliche Besserung und dieser Artikel hat mir bestärkt, weiter zu machen. Vielen Dank dafür.

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