Intrinsische Motivation

Jeder, der schon einmal eine Hausarbeit fristgemäß einreichen, für eine Klausur lernen oder eine Bewerbung schreiben musste, weiß, wie wichtig Motivation ist. Ohne sie läuft gar nichts. Motivation ist die treibende Kraft, die hinter all unseren Verhaltensweisen steht. Sie ist die Energiequelle, die uns dazu veranlasst, bestimmte Aktivitäten zu beginnen oder aufrechtzuerhalten. Sie liefert das Motiv für unsere Handlungen.

Intrinsische Motivation vs. extrinsische Motivation

Dabei werden zwei Arten von Motivation unterschieden: intrinsische Motivation und extrinsische Motivation. Von intrinsischer Motivation sprechen wir, wenn man eine Aufgabe um ihrer selbst willen tun möchte, nicht aber, weil man sich dadurch einen bestimmten Vorteil verspricht oder einen bestimmten Nachteil vermeiden möchte.

Intrinsische Motivation - Glücksdetektiv

Alexandra H. / pixelio.de

Das englische Wort „intrinsic“ steht für „innerlich dazugehörend, wesentlich oder wahr“. Wenn ich also für eine bestimmte Aktivität intrinsisch motiviert bin, dann heißt das, dass die Aufgabe selbst mich zur Leistung antreibt, weil sie meine Interessen befriedigt, eine Herausforderung darstellt oder mir schlichtweg Freude bereitet.

Meine Mathematik-Hausaufgaben mache ich dann beispielsweise, weil ich die Herausforderung liebe, Gleichungen mit zwei Unbekannten zu lösen oder es mir großen Spaß bereitet, das mathematische Problem in Textaufgaben zu lösen (fiktives Beispiel*). Nicht aber, weil meine Eltern mir dann das Taschengeld erhöhen oder die Lehrerein mit Nachsitzen droht, sollte ich schon wieder ohne Hausaufgaben erscheinen.

Intrinsische Motivation ist die wertvollste Motivation

Intrinsische Motivation ist insofern die wertvollste und wichtigste Motivation, weil sie auch dann begonnen oder aufrechterhalten wird, wenn keine externen Belohnungen oder Bestrafungen damit einhergehen. Die Belohnung erfolgt durch die Tätigkeit selbst. Weil diese bereits Freude bereitet, führt dies zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung. Auf diese Weise wird die Handlung an sich genauso bedeutend wie die Erreichung des Ziels. Das macht durch intrinsische Motivation begonnene Aktivitäten zu absoluten Selbstläufern.

Problematisch wird es jedoch, wenn Aktivitäten, die ursprünglich aus intrinsischer Motivation begonnen wurden, durch externe Reize verdrängt oder untergraben werden. Wenn die Eltern beispielsweise dem Kind, das ohnehin gerne Mathehausaufgaben löst, Geld für die rechtzeitige Erledigung der Hausaufgaben bieten, kann das dazu führen, dass das Kind seine Freude an der Mathematik gänzlich verliert und in Zukunft nur noch dann Hausaufgaben macht, wenn es dafür belohnt wird. Die intrinsische Motivation wird dann durch extrinsische Motivation ersetzt und das, was ursprünglich Freude bereitet hat, wird jetzt nur noch als Mittel zum Zweck durchgeführt.

Und was lernen wir daraus?

Es ist nicht immer leicht zu erkennen, wer für was auf welche Weise motiviert ist. Trotzdem sollte man sich als Elternteil oder Führungskraft darum bemühen, gerade das herauszufinden. Sonst könnte es passieren, dass man das natürliche Interesse seines Kindes oder Mitarbeiters an einer Tätigkeit gänzlich zerstört. Denn dadurch bringt man sich nicht nur um einen interessierten, fleißigen und motivierten Menschen, sondern verliert auch noch einen wichtigen Teil der Persönlichkeit dieser Person.

* Textaufgaben klingen für mich ja eher so: „Es waren einmal zwei Kamele, eins davon war lila. Wie viel wiegt der Sand, wenn es dunkel ist?“

21 Kommentare
  • Benny Briesemeister
    schrieb um 09:12h, 22 August Antworten

    Ich hab mal eine Frage:
    Die Forschungsergebnisse, dass intrinsische Motivation verschwindet wenn sie extern belohnt wird, kenne ich. Was ich mich aber dann frage, ist: Ist es überhaupt sinnvoll das Hobby zum Beruf zu machen?
    Ein Hobby ist ja per Definition etwas, das mir Spaß macht, das ich betreibe, weil ich Freude dabei empfinde. Quasi eine intrinsisch motivierte Tätigkeit. Wenn ich mein Hobby aber zum Beruf mache, muss ich anfangen Geld für eine Tätigkeit zu verlangen, die ich eigentlich auch umsonst machen würde. Meine Freude kriegt quasi einen Preis – eine extrinsische Motivation. Muss da nicht auf lange Sicht gesehen die Freude am Hobby/an der neuen Arbeit verloren gehen? Oder kann das gut gehen?

    *Die Antwort auf die Kamelfrage ist übrigens 42. 🙂

    • Katharina Tempel
      schrieb um 19:58h, 23 August Antworten

      Lieber Benny,

      eine sehr gute Frage auf die es keine wirklich gute Antwort gibt. Jeder der sein Hobby zum Beruf macht, läuft grundsätzlich Gefahr, die Freude an der jeweiligen Tätigkeit zu verlieren. Die Verdrängung der intrinsischen Motivation durch Geld oder andere externe Anreize ist nur ein Problem unter vielen. Man muss beispielsweise auch damit zurecht kommen, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt und Feierabende nur noch theoretisch existieren. Darüber sollten sich interessierte Personen zu jedem Zeitpunkt bewusst sein. Um weiterhin intrinsisch motiviert zu sein ist wichtig, dass man sich trotz beruflichem Korsett autonom und selbstbestimmt wahrnimmt. Fühlt man sich nämlich von außen kontrolliert, beispielsweise weil nur noch Abgabetermine und die Höhe der Gage darüber entscheiden, wann was getan wird, verliert man sehr schnell den Spaß an der Sache. Es ist also nicht ganz einfach sein Hobby zum Beruf zu machen. Aber wer diese Gratwanderung meistert, wird mit einer Freude bereitenden, reizvollen und erfüllenden Arbeit belohnt.

      * 42 ist nahe liegend. Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen? 🙂

      • Anchu Kögl
        schrieb um 16:18h, 13 Januar Antworten

        Hi Katharina und Ben,
        ich habe über das Thema selbst viel recherchiert und auch geschrieben. Das extrinsische Anreize die intrinsische Motivation zerstören haben Studien gezeigt. Allerdings wurde in anderen Studien auch das Gegenteil bewiesen… Das heißt, extrinsische Anreize machen die intrinsische Motivation nicht immer kaputt.

        Trotzdem ist das Hobby zum Beruf machen nicht für alle die beste Lösung. Ich gebe Katharina voll und ganz recht, in dem, was sie erklärt. Was ich noch hinzufügen will: wenn man sein Hobby zum Beruf macht ist es wichtig, sich als Ausgleich ein neues Hobby zu suchen. Etwas was man tut, nur weil es Spaß macht und einen erfüllt 🙂

        Ein paar weitere Gedanken und Studien über intrinsische Motivation findet ihr in meinem Artikel, falls es euch interessiert:
        http://anchukoegl.com/intrinsische-motivation-extrinsische-motivation/
        LG

        • Glücksdetektiv
          schrieb um 20:46h, 13 Januar Antworten

          Danke für deine Ergänzung Anchu.
          Sich ein neues Hobby zu suchen, sobald man sein altes zum Beruf macht, ist wirklich wichtig.

          LG, Katharina

    • Carola Kluth
      schrieb um 12:21h, 12 April Antworten

      Mein Sohn hat sein Hobby zum Beruf gemacht mit dem Endresultat, dass er nun nach nur 2 Jahren unter einem Burnout leidet, das jetzt durch eine Verhaltenstherapie behandelt wird. Auch er hatte kein anderes Hobby, so dass er sich praktisch rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, mit seinem Hobby/Beruf auseinander gesetzt hat. Auf langer Sicht sollte man sehr vorsichtig sein, wie man seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte.

      • Glücksdetektiv
        schrieb um 17:32h, 14 April Antworten

        Sobald wir unser Hobby zum Beruf machen geht es mit Anforderungen und Druck einher, der uns das Ganze auch schnell madig machen kann. Das sollte man sich auf jeden Fall vor Augen führen.
        Wer rund um die Uhr arbeitet, keinen Ausgleich und keine Entspannung mehr findet und enorm unter chronischem Stress steht, läuft Gefahr einen Burnout zu entwickeln. Egal ob selbständig oder angestellt…

        Ich wünsche deinem Sohn gute Besserung.
        LG, Katharina

  • Extrinsische Motivation | Glücksdetektiv
    schrieb um 12:13h, 26 August Antworten

    […] wir letzte Woche das Lieblingskind aller Eltern und Führungsverantwortlichen, die intrinsische Motivation, kennengelernt haben, ist es an der Zeit, auch ihr weniger schillerndes Pendant zu beleuchten. De […]

  • Fallstricke auf der Suche nach dem Glück | Glücksdetektiv
    schrieb um 12:21h, 26 August Antworten

    […] Güter und Aktivitäten gehen mit schneller Gewöhnung einher, während Aktivitäten, die aus intrinsischer Motivation begonnen werden dauerhaft glücklich machen […]

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    schrieb um 12:22h, 26 August Antworten

    […] nichts von ihrem positiven Effekt einbüßen. Dazu gehören sämtliche Aktivitäten die wir aus intrinsischer Motivation verfolgen. Einen guten Freud zu treffen ist immer wieder aufs Neue belohnend, denn die positive […]

  • Wie uns Schule, Erziehung und Gesellschaft die Freude am Arbeiten nehmen | Glücksdetektiv
    schrieb um 12:33h, 26 August Antworten

    […] Umgebung erforschen und sich neuen Herausforderungen stellen. Sie zeichnen sich durch eine hohe intrinsische Motivation aus. Im Verlauf der Kindheit wird diese jedoch nach und nach zerstört und durch eine Orientierung […]

  • Zuckerbrot und Peitsche vs. zu lieben was man tut | Glücksdetektiv
    schrieb um 12:36h, 26 August Antworten

    […] Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun wird als intrinsische Motivation bezeichnet. Dabei handelt es sich um den Prototyp selbstbestimmten Verhaltens, denn solche […]

  • Eudämonie – die Lehre vom gelingenden Leben | Glücksdetektiv
    schrieb um 11:44h, 09 September Antworten

    […] Weise lebt, führt Handlungen bspw. um ihrer selbst willen aus und niemals als Mittel zum Zweck (→ Intrinsische Motivation). Eudämonie wird als höchste Tugend beschrieben, deren Erreichung das Endziel allen menschlichen […]

  • bewusstmacher.de | Gastartikel: Durch Selbstbestimmung zu mehr Wohlbefinden
    schrieb um 01:02h, 13 Mai Antworten

    […] Handlung kann also ein unterschiedliches Motiv unterliegen. Im ersten Fall sprechen wir von intrinsischer Motivation im zweiten Fall von extrinsischer […]

  • Was brauchen wir zum Leben? | Glücksdetektiv
    schrieb um 11:35h, 19 Mai Antworten

    […] Den Autoren zufolge sind uns diese Bedürfnisse angeboren, können aber nie endgültig befriedigt werden, da sie immer wieder neu auftreten. Wachsen wir in einer Umgebung auf, die diesen Bedürfnissen entgegenkommt, können wir uns optimal entwickeln und vorrangig das tun, was uns wichtig ist und was wir selbst interessant finden. Die Befriedigung der Bedürfnisse führt demnach zu vermehrter intrinsischer Motivation. […]

  • „The High Price of Materialism“ von Tim Kasser - Glücksdetektiv
    schrieb um 20:49h, 30 September Antworten

    […] ist das Buch ein bemerkenswertes Plädoyer für eine Rückbesinnung auf intrinsische Werte und all jene Dinge, die unsere Bedürfnisse befriedigen und das Leben erst wirklich lebenswert […]

  • Wunderhase
    schrieb um 18:00h, 21 August Antworten

    Ich habe die Intrinsische Motivation zum Webseiten machen auch verloren nachdem ich es 6 Jahre lang beruflich gemacht habe, es hat mich nicht mehr wirklich erfüllt. Aber das könnte auch an den ganzen Einschränkungen und Zwängen liegen, denen man unterworfen ist wenn man das für andere tut. Ich glaube dennoch es ist möglich ein Hobby zum Beruf zu machen wenn man es schafft, es weiter für sich zu tun, selbst wenn man es für andere tut. 😀

    • Glücksdetektiv
      schrieb um 17:34h, 26 August Antworten

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Genau so ist es. Wenn wir ein Hobby zum Beruf machen kommen ganz neue Vorschriften und Zwänge und ein ganz anderer Druck auf uns zu. Manchmal geht die Freude an der Tätigkeit darüber verloren, aber manchmal schaffen wir es, sie uns zu bewahren.
      Das ist natürlich das Ideal…

      LG, Katharina

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