Was ist Glück?

Für viele Menschen ist Glück der einzige Wert, der in sich final ist. Das bedeutet, dass alle anderen Ziele auf dieses eine Ziel hinausführen: glücklich sein. Wem das merkwürdig vorkommt, der stelle sich einmal vor, wie er seine Pläne und Ziele gegenüber einem kleinen Kind begründet, das immerzu nach dem „warum“ fragt. Nehmen wir an, ich wünsche mir 3 Kilo abzunehmen (rein fiktiv natürlich). Warum will ich abnehmen? Nun, ich schätze, weil ich attraktiver sein möchte. Warum möchte ich attraktiver sein? Na weil mich die Leute dann mögen und ich beliebter wäre. Aber warum möchte ich geliebt werden? Weil geliebt zu werden glücklich macht. Also müssen die 3 Kilo letzten Endes für das ganz große Glück weichen. Dieses kleine Fragespiel kann man auf so gut wie jede Situation übertragen und unabhängig davon, ob man 5 min. oder 50 min. braucht: Am Ende führen alle Wege zu dem einen Ziel, glücklich zu sein.

Was ist Glück? - Glücksdetektiv

Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Dass glücklich sein eines der größten Ziele im Leben eines jeden Menschen ist, wird wohl kaum jemand bezweifeln. Ob es tatsächlich aber das einzige finale Ziel ist, oder ob es nicht doch noch andere Ziele von gleichrangiger Bedeutung gibt, möchte ich zunächst dahinstellen. Denn um diese Frage zu beantworten, sollten wir vielleicht erst einmal genauer betrachten, was wir überhaupt unter „Glück“ verstehen.

Die Bedeutung von Glück

Ob Glück, Zufriedenheit, seelische Ausgeglichenheit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Freude… Wir haben zahlreiche Begriffe für diesen wünschenswerten Zustand geschaffen, die teilweise voneinander abgegrenzt und teilweise synonym benutzt werden. Das macht es nicht unbedingt einfacher der alles entscheidenden Frage auf den Grund zu gehen: Was ist Glück?

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Kurt F. Domnik / pixelio.de

Im deutschen Sprachgebrauch müssen wir zunächst einmal zwischen dem Zufallsglück (engl.: „luck“) und dem Glück im Sinne von Freude oder Verwirklichung (engl.: „happiness“) unterscheiden. Im Folgenden, wie auch im gesamten Blog, wird es nur um letzteres gehen. Personen die ihr Zufallsglück erhöhen wollen, möchten sich bitte an die entsprechenden Statistiker wenden oder ihr Vorhaben auf Grund mangelnder Erfolgsaussichten gleich einstellen 🙂

Betrachten wir den Begriff Glück im Sinne von „happiness“ sind drei verschiedene Bedeutungen voneinander abzugrenzen: Glück als Gefühl, Glück als subjektive Einschätzung der Lebenszufriedenheit und Glück als gelingendes Leben.

Glück als Gefühl

Ist die Rede vom Glück, sprechen wir zunächst einmal von momentanen Gefühlen, z.B. von Freude. Um glücklich zu sein, muss man sich also gut fühlen, lachen und fröhlich sein. Das macht erst einmal Sinn. Doch ist gute Stimmung alleine ausreichend für ein gelingendes Leben? Dass dies nicht der Fall ist, zeigt sich sehr schnell anhand eines kleinen Gedankenexperimentes von Robert Nozick.

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Dieter Schütz / pixelio.de

Der Philosoph fragte Personen, ob sie sich an eine Maschine schließen lassen würden, die ihnen immerzu angenehme und wünschenswerte Zustände vorspielen würde. Auch wenn man keinen Unterschied zwischen den vorgetäuschten Erlebnissen und der Realität spüren würde, lehnte die Mehrheit der Befragten dieses unmoralische Angebot ab. Sie zogen das reale Leben mit all seinen Höhen und Tiefen einem vorgetäuschten Utopia vor. Demnach gehört also mehr zu einem glücklichen Leben als fortwährend guter Stimmung zu sein.

Glück als subjektive Einschätzung der Lebenszufriedenheit

Wenn wir uns nicht auf unsere Gefühle verlassen können, wie steht es dann um unsere Gedanken? Ist wahrhaft glücklich, wer sich selbst für glücklich hält? Immerhin kann man, auch wenn man im Moment nicht unbedingt guter Stimmung ist, sein Leben alles in allem positiv einschätzen, weil unterm Strich die guten Erlebnisse die schlechten überwiegen. Und kann denn nicht jeder selbst am besten einschätzen, ob er glücklich ist oder nicht?

Im Grunde schon, allerdings sind wir Menschen nicht besonders gut darin zu wissen was uns glücklich macht und was nicht (s. Fallstricke auf der Suche nach dem Glück). Überspitzt ausgedrückt könnte auch ein Sklave, der sich an sein Schicksal gewöhnt hat, mit seinem Leben zufrieden sein. Doch darf man ihn deswegen glücklich nennen oder gibt es vielleicht noch etwas anderes, was es zum Glück braucht? Diese Überlegungen brachten einige Philosophen und Psychologen zu der Annahme, dass es noch eine dritte Ebene von Glück gibt.

Glück als gelingendes Leben

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S. Hofschlaeger / pixelio.de

Dabei handelt es sich um keinen emotionalen Zustand sondern um mehr oder weniger objektive Kriterien, die vorhanden sein müssen um ein gutes Leben zu führen. Demnach gibt es bestimmte universelle Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, um ein gutes Leben zu führen und Wohlbefinden zu erreichen. Unabhängig davon, welchen Wert wir diesen Dingen zuschreiben, sind sie für uns absolut zentral. Wir können glauben, sie nicht zu brauchen oder das sie nicht wichtig für uns sind, aber ohne sie ist kein gelingendes Leben möglich. Darunter fallen beispielsweise gute soziale Beziehungen oder die Verwirklichung persönlicher Stärken.

Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber, welche Bedürfnisse wirklich universell sind und welche nicht. Hat wirklich jeder Mensch das Bedürfnis nach Liebe und Verwirklichung oder sind manche Werte vielleicht auch kulturell verschieden? Was sind tatsächlich die Bestandteile eines gelingenden Lebens und wird dabei nicht nur ein moralisches Urteil gefällt?

Und was lernen wir daraus?

Wir haben gesehen, dass Glück auf verschiedene Weise verstanden und erforscht wird und jeder Ansatz seine Vor- und Nachteile hat. So weit so gut, aber was ist denn nun das „richtige“ Glück? Heißt Glück positiver Stimmung zu sein, sein Leben insgesamt positiv einzuschätzen oder ein Leben zu führen, das bestimmte Kriterien erfüllt? Womöglich liegt das wahre Glück in einer Kombination dieser Ansätze: positive Stimmung ist wesentlich für ein glückliches Leben, aber sie allein reicht nicht aus. Menschen möchten sich auch verwirklichen und entfalten, sie wollen Erfahrungen sammeln und am Erlebten wachsen. Aber all diese objektiven Kriterien sind am Ende auch nichts wert, wenn die Person selbst sich nicht für glücklich hält. Wir brauchen Freude und Bedeutung um ein glückliches und erfüllendes Leben zu führen. Und das sowohl objektiv als auch subjektiv.

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