Schluss mit Selbstzweifeln – Teil III: „das (un)perfekte ich“

Vielleicht kennt ihr ja auch den ein oder anderen Gedanken:

  • „Nie habe ich Glück“
  • „Alle anderen arbeiten immer so diszipliniert, nur ich bin so faul“
  • „Immer werden die anderen bevorzugt“
  • „Das weiß bestimmt jeder hier im Raum. Nur ich muss heimlich danach googeln“

Wenn ja, habt ihr meine Welt jetzt schon in ihren Grundfesten erschüttert. Denn ich gehe davon aus, dass ich persönlich die einzige bin, die so tickt. Und das macht mir das Leben häufig nicht gerade leichter.

Die Überzeugung, der einzige zu sein

An dritter Stelle der ewig quälenden Selbstzweifel steht daher die Überzeugung, der einzige Mensch auf der Welt zu sein, dem etwas Bestimmtes widerfährt, der so denkt, fühlt oder handelt.

Selbstzweifel - GlücksdetektivUnd diese Überzeugung ist hartnäckig. Wir bringen sie ja sogar zustande, wenn ganz offensichtlich mehrere Personen betroffen sind. „Typisch, dass es wieder genau jetzt regnet, wo ich aus dem Haus muss“, denke ich manchmal in Situationen, in denen sich allein in meinem unmittelbaren Sichtfeld bestimmt 20 weitere Personen befinden.

Wie viele von ihnen denken wohl auch gerade „typisch…“?

Ein simpler Rechenfehler

Aber warum glauben wir Menschen so häufig, dass wir mit einem Gedanken ganz alleine dastehen? Der Grund ist einfach. Wie Eckhart von Hirschhausen einmal sagte:

„Weil wir von unserem „Scheiß“ 100 Prozent mitbekommen, von dem „Scheiß“, den die anderen im Kopf haben, aber nur 50 Prozent, denken wir: Wir sind doppelt so scheiße wie die! Sind wir aber nicht! Ein simpler Rechenfehler.“ (Eckhart von Hirschhausen: „Glück kommt selten allein“ S. 309)

Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Wir halten andere deshalb häufig für perfekt oder uns für benachteiligt, weil wir ihre Sorgen, Ängste, Gedanken, Zweifel, Launen und Pannen schlichtweg nicht mitbekommen.

Jeder, der glaubt, er sei ein schlechter Mensch, weil er mal einen schlimmen Gedanken gehabt hat, meint der einzige zu sein, der so verdorben geraten ist. Aber wenn wir alle mal offen legen würden, was wir den ganzen Tag so denken und fühlen, bin ich mir sicher, dass 90% all unserer Sorgen völlig unbegründet sind. Selbst Mutter Theresa wird den einen oder anderen Gedanken gehabt haben, für den sie lieber nicht erinnert werden wollte.

Selbstzweifel - GlücksdetektivUnd was lernen wir daraus?

Das nächste Mal, wenn ihr denkt, dass etwas mal wieder nur euch passieren konnte und kein anderer so schlecht/doof/hässlich/ungeschickt etc. wie ihr seid, überlegt euch wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür tatsächlich ist.

Wir sind über 7 Milliarden Menschen auf diesem schönen Planeten. Rein rechnerisch ist die Chance, der einzige zu sein, der einen Nagel nicht in die Wand kriegt, verdammt gering. Warum also sollten wir uns für etwas fertig machen, dass so viele andere auch betrifft?

Also lasst uns aufhören, so gnadenlos mit uns selbst zu sein. Vieles von dem, was wir für unsere Schwächen halten ist in Wahrheit einfach nur menschlich. Natürlich können wir jetzt die Rasse Mensch für ihre Makel und ihre Unzulänglichkeit verachten, aber wir können auch anfangen unsere Fähigkeiten, Talente und Motive zu bewundern und uns zu lieben, für die, die wir sind.

Meine YouTube-Folge zum Thema Selbstzweifel

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