Allen Recht machen - Glücksdetektiv

Was es dich kostet, es allen recht machen zu wollen

Kennst du das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen, nicht Nein sagen zu können und die eigenen Wünsche immer hintenanzustellen? Und fragst du dich manchmal auch, warum du es anderen stets recht machen musst, während der Rest der Welt damit kein Problem zu haben scheint? Schnapp dir einen Tee und lehn dich zurück, denn jetzt erfährst du, warum du es allen recht machen willst und was du dir damit einhandelst.

Erkennst du dich in diesem Verhalten wieder?

  • Du gehst in einen Kinofilm, der dich nicht interessiert, weil deine Freundin ihn unbedingt sehen will?
  • Du hast dich für ein Studium entschieden, das du nicht liebst, weil deine Eltern damit zufrieden sind?
  • Du machst Überstunden, statt pünktlich nach Hause zu gehen, weil du glaubst, dass dein Chef das erwartet?
  • Du übernimmst ständig die Aufgaben der Kollegen, statt dich um dein eigenes Projekt zu kümmern?
  • Du lässt deinen Partner bestimmen, wie ihr den Abend verbringt, obwohl du selbst etwas anderes wolltest?

Wenn ja, gehörst du höchstwahrscheinlich zu den Menschen, die es immer allen recht machen wollen.

Warum du es allen recht machen willst

Eins ist klar. Du bist nicht ständig bemüht es allen recht zu machen, weil es sich so gut anfühlt.

Nein. Vielmehr sind die folgenden Gründe schuld daran, dass du nicht aufhören kannst, es allen recht machen zu wollen.

1. Weil du ein Bedürfnis nach Anerkennung hast

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Das haben wir nämlich alle. Dieses evolutionäre Überbleibsel sorgt dafür, dass wir noch heute panische Angst vor Ausgrenzung haben. Wir wollen in der Gemeinschaft akzeptiert und anerkannt sein. Deswegen orientieren wir uns in unserem Verhalten an den Erwartungen, die andere an uns stellen. Wir tragen bestimmte Kleidungsstücke oder arbeiten in erwünschten Jobs. Wir wollen, dass sie uns mögen. Wir wollen dazugehören. Warum das so ist, erfährst du hier.

2. Weil du so erzogen wurdest

Die Gesellschaft hat einen Einfluss auf uns. Viel stärker aber prägt uns unser direktes Umfeld, d.h. die Menschen, mit denen wir aufgewachsen sind. Da wären z.B. unsere Eltern: Als kleine Kinder sind wir auf ihre Zuneigung angewiesen. Deswegen tun wir alles, um von ihnen gemocht und bloß nicht kritisiert zu werden. Möglicherweise hast du von deinen Eltern früher häufig gehört, dass du dich nicht so in den Vordergrund stellen sollst, dass du immer erst anderen helfen sollst und dass du stets freundlich und hilfsbereit sein sollst. Nach und nach sind so innere Glaubenssätze entstanden, die dir so vielleicht gar nicht bewusst sind, z.B.:

  • Ich bin nur liebenswert, wenn ich anderen helfe und sie unterstütze.
  • Es gehört sich nicht, die eigenen Interessen voran zu stellen.
  • Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind unwichtig.
  • Ich muss für die anderen etwas leisten, um anerkannt zu werden.

Und danach richtest du dich noch heute. Du glaubst, dass andere dich nur mögen, wenn du ihnen ihre Wünsche von den Augen liest und nach ihrem Mund redest. Du glaubst, dass dein Partner es nur mit dir aushält, wenn du immer nach seiner Pfeife tanzt. Du glaubst, nur dann eine gute Mutter zu sein, wenn du dich für deine Kinder aufopferst.

3. Weil du ein niedriges Selbstwertgefühl hast

Kaum eine Baustelle im Erwachsenenalter, die nicht durch dieses Problem gefördert wird: Ein niedriges Selbstwertgefühl. Wenn du meinst, nicht liebenswürdig und wertvoll zu sein, wirst du dich umso mehr zu Gunsten anderer vernachlässigen. Du denkst dann, dass andere wichtiger sind und demnach musst du dich erst um sie kümmern. Mit einem negativen Bild von dir selbst, ist dir die Anerkennung anderer noch wichtiger, weshalb du ständig versuchst es allen recht machen zu wollen.

4. Weil es in deiner Persönlichkeit so angelegt ist

Auch deine Persönlichkeit kann dein Verhalten es allen recht machen zu wollen verstärken. Unter den fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit verbirgt sich der Faktor Verträglichkeit. Er beschreibt, wie freundlich, hilfsbereit, rücksichtsvoll und kooperativ man von seiner Persönlichkeit her ist. Je stärker dieser Faktor in deiner Persönlichkeit veranlagt ist, umso größer natürlich dein Bedürfnis es allen recht machen zu wollen.

Und vielleicht fragst du dich gerade auch, ob das denn so verkehrt ist. Freundlich und hilfsbereit zu sein sind doch wundervolle Eigenschaften.

Und ja. Das sind sie.

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Wir leben außerdem in einer Gemeinschaft und da sind wir darauf angewiesen mit anderen gut zurechtzukommen. Kleine Gefälligkeiten erhalten die Freundschaft. In jeder Partnerschaft sind Kompromisse nötig und auch im Arbeitsumfeld fährt man besser auch mal nachzugeben, als immer nu stur seine Meinung durchsetzen zu wollen. Mal die Freundin den Film entscheiden lassen ist absolut kein Problem.

Zum Problem wird es, wenn man es immer tut!

Wenn man immer nur tut, was die anderen wollen. Wenn man immer nachgibt und seine Bedürfnisse hintenanstellt. Denn das alles tut man ständig auf seine Kosten.

Was es dich kostet es allen recht machen zu wollen

Der Preis für dieses Verhalten ist hoch.

Wir schaden uns selbst, unserer Gesundheit und unseren Beziehungen.

Werfen wir einen Blick auf die Folgen. Was kostet es dich wirklich, wenn du andere immer in den Vordergrund stellst und dich selbst zurücknimmst:

1. Du erschöpfst dich

Klar. Wenn du dich immer erst um die Bedürfnisse aller anderen kümmerst, kommen deine Bedürfnisse zu kurz. Du gönnst dir keine Pause. Das, was dir Energie oder Freude verschaffen würde, machst du nicht. Stattdessen fährst du die Kinder zum Fußballtraining oder hilfst der Nachbarin beim Renovieallen-recht-machen-zu-wollen - Glücksdetektivren aus.

Während du dich für andere regelrecht aufopferst, fällst du selbst hinten runter. Du erschöpfst dich. Irgendwann können Körper und Seele das Pensum nicht mehr wegstecken und fangen an zu streiken. Burnout und Depressionen können die Folge sein.

2. Du bist gestresst

Wenn du ständig bemüht bist anderen zu gefallen, weil du glaubst, nur dann akzeptiert zu werden und Anerkennung zu bekommen, verbrauchst du dabei viel Energie. Die Fassade muss stets aufrechterhalten werden. Du musst vorgeben, Dinge zu mögen, die du nicht magst.

All das führt zur Ausschüttung von Stresshormonen im Blut. Die wird noch verstärkt durch die permanente Angst vor Ablehnung und davor, etwas zu sagen oder zu tuen, was Konflikte erzeugen könnte.

3. Du wirst unzufrieden

Wer ständig versucht es allen recht zu machen, vergisst darüber eine Person: Nämlich sich selbst!

Wie zufrieden kannst du schon sein, wenn du hauptsächlich damit beschäftigt bist Dinge zu tun, auf die du selbst keine Lust hast, die dich nicht interessieren und an denen du keinen Gefallen hast? Hinzu kommt: Gerade wenn man wie selbstverständlich andere an erste Stelle stellt, bekommt man von diesen selten ein „Danke“ dafür. Deine Kinder begreifen nicht, wie sehr du dich selbst für sie zurücknimmst. Und dein Kollege? Der erwartet mehr oder weniger, dass du ihm hilfst, weil du es schließlich immer tust.

Während du dir also ständig zu viel zumutest, erhältst du für all deine Bemühungen nicht mal Dankbarkeit. Das macht unzufrieden.

Und dann ist doch noch ein Punkt: Egal, wie sehr du dich auch bemühst, du wirst es nie allen recht machen können. Denn all die Menschen in deinem Umfeld haben verschiedene Erwartungen an dich. Fährst du die Kinder zum Training sind sie glücklich, aber deine Freundin ist sauer, weil du eure Verabredung absagst. Nimmst du den Job als Lehrer an, weil dann dein Vater zufrieden ist, der dich verbeamtet sehen will, verärgerst du zeitgleich deinen Praktikumschef, der dich gerne in der Agentur übernommen hätte.

Da tust du schon alles, um andere zufriedenzustellen, aber sie lassen dennoch ihren Unmut an dir aus.

4. Du bekommst ein negatives Selbstbild

Und dann wäre da noch das Problem mit dem negativen Selbstbild.

  • Ich meine, wie ist es für dich zu wissen, dass deine Bedürfnisse an letzter Stelle kommen?
  • Wie fühlt es sich an, immer „Ja“ zu sagen, obwohl du am liebsten „Nein“ schreien möchtest?
  • Was macht es mit dir ständig für alle da zu sein, aber selbst überhaupt nicht vorzukommen?
  • Welche Konsequenzen hat es, dass deine Wünsche und Ziele keine Beachtung finden?

Es fühlt sich nicht gut an stets das Schlusslicht zu sein. Jedes Mal, wenn es dir nicht gelingt „Nein“ zu sagen und jedes Mal, wenn du dich für andere verbiegst, verlierst du ein Stückchen mehr Selbstachtung. Schließlich zeigst du dir immer wieder, dass die anderen wichtiger sind.

5. Du wirst nicht respektiert

Nicht nur du verlierst den Respekt vor dir. Auch dein Umfeld wird sich schon bald daran gewöhnen, dass sie schlecht mit dir umspringen dürfen. Weil du es zulässt.

Das ist natürlich besonders gemein, gerade, weil du alles für sie tust. Aber genau das ist auch das Problem dabei. Wir respektieren Menschen, die sich selbst respektieren. Menschen, die ihren Wert kennen und ihn vor anderen verteidigen. Wenn nun aber jemand daher kommt, der allen nach dem Mund redet und immer zu allem „Ja“ sagt, spürt man sehr schnell, dass dahinter ein geringes Selbstwertgefühl steht. Man spürt, dass diese Person unsicher ist, Angst vor Ablehnung hat und nicht zu sich steht.

Auch, wenn dein Gegenüber es nicht absichtlich macht. Dein Verhalten bietet eine wunderbare Vorlage, um dich auszunutzen: „Heute Abend früher nach Hause? Geht nicht, ich muss noch den Projektantrag fertigschreiben. Moment…, ich frage einfach Martina, die macht das schon für mich.“

Du siehst, dich für andere aufzuopfern führt zu Unzufriedenheit, Problemen und Leid. Es ist keine gesunde und erfüllende Lebensstrategie!

Es macht dich auch nicht zu einem besseren Menschen. Dich für andere aufzuopfern und dabei selbst jedes Mal zu kurz zu kommen ist kein Zeichen von Nächstenliebe, sondern von fehlender Selbstfürsorge. Statt zu zeigen, dass du ein gutes Herz hast, zeigst du, dass du dich selbst nicht respektierst.Auszeit nehmen - Glücksdetektiv

Wenn es dir so geht, darfst du zunächst einmal erkennen, dass du wichtig bist! Ebenso wichtig, wie deine Mitmenschen. Daher hast du den gleichen Respekt, die gleiche Liebe und Fürsorge verdient.
Darum: „Gib dir die Liebe, die du verdienst!“

Und nun bin ich gespannt zu hören, ob du dieses Verhalten von dir kennst. Versuchst du auch immer, es allen recht zu machen? Wie geht es dir damit? Kannst du dich in den Punkten wiederfinden? Und noch wichtiger: Hast du Tipps, um davon loszukommen?

 

Mein Video zum Thema „Es allen recht machen zu wollen“

 

 

2 Kommentare
  • Isabel Hartmann
    Geschrieben um 15:15h, 06 Oktober Antworten

    Texte sehr gute Inhalte und auch die Filme sehr angenehme Darstellung, guter Vortrag, auf den Punkt gebracht .
    Werde mir demnächst das Buch kaufen

    • Katharina Tempel
      Geschrieben um 13:42h, 16 Oktober Antworten

      Vielen Dank für dein Feedback.
      Ich freue mich zu hören, wie dir mein Buch gefällt.

      Alles Liebe und viel Freude beim Lesen,
      Katharina

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