Macht Besitz glücklich - Glücksdetektiv

Was macht wirklich zufrieden? Erlebnisse vs. Besitz

Für alle, die gerade ein bisschen Geld auf der hohen Kante haben und sich fragen, ob sie davon einen neuen Plasma-Fernseher kaufen oder doch lieber einen Kurzurlaub in ihrer Lieblingsstadt verbringen sollten, gibt es hier eine kleine Entscheidungshilfe.

Erlebnisse machen glücklicher als Besitz

macht Besitz glücklich - Glücksdetektiv

Dies ist das Ergebnis einer amerikanischen Studie von 2003, in der die Folgen von Investitionen in Erlebnisse und materielle Gegenstände untersucht wurden. Demnach wurden Erlebnisse, wie Konzertbesuche oder Urlaube, häufiger als gelungene Geldanlage betrachtet und trugen stärker zur Zufriedenheit und Bereicherung des Lebens bei, als der Erwerb materieller Güter.

Die Ursachen dafür werden den Unterschieden im zeitlichen Verlauf zugeschrieben. So nimmt die Zufriedenheit mit einem Gegenstand zwangsläufig mit der Zeit ab. Das neue Auto ist irgendwann nicht mehr neu und bald schon häufen sich die Werkstattbesuche. Für Erlebnisse gilt das nicht. Die Zufriedenheit mit ihnen nimmt in der Regel sogar zu. Das liegt daran, dass Erfahrungen offener für positive Reinterpretationen sind. Mit der Zeit neigt man dazu, negative Details eines Erlebnisses zu vergessen während positive Eindrücke stärker hervorgehoben werden. Darum wird z.B. die Schulzeit im Nachhinein deutlich besser bewertet als zum Zeitpunkt des Geschehens. Vergessen sind das frühe Aufstehen, die müßigen Hausaufgaben oder die Ängste vor anstehenden Prüfungen. In Erinnerung bleiben nur die lustigen Pausen, die gemeinsamen Späße und die verbrachte Zeit mit den Freunden.

Erfahrungen werden also zu Erinnerungen und damit zu einem zentralen Bestandteil unserer Identität. Je mehr wir ansammeln, desto komplexer und reifer werden wir. Was hat euch stärker zu der Person gemacht, die ihr heute seid? Euer neuerworbenes iPad oder die Erfahrung eures letzten Urlaubs, wo ihr trotz verlorenen Gepäcks und gesperrter Kreditkarte dennoch Spaß hattet?

Besitz wird verglichen – Erlebnisse nicht

Macht Besitz glücklich - GlücksdetektivEs gibt aber noch einen weiteren Grund dafür, dass Investitionen in Erlebnisse zuträglicher für unser Wohlbefinden sind: Im Gegensatz zu Produkten werden Erfahrungen von vornherein weniger miteinander verglichen, so dass potenziell ungünstige Vergleiche weniger Einfluss auf die Zufriedenheit haben. Das liegt allein schon einmal daran, dass es viel schwieriger ist zwei Urlaube miteinander zu vergleichen als zwei Computermodelle. Letztere können wir im Geschäft nebeneinander legen und aus allen Winkeln betrachten. Die Entscheidung ob sie dieses Jahr lieber ans Meer oder in die Berge fahren, können sie auf diese Weise nicht treffen.

Carter und Gilovich (2010) konnten darüber hinaus noch zeigen, dass Personen, die ein Produkt erwerben, auch nach der Entscheidungsfindung weiter Informationen über nicht gewählte Optionen suchen. Stärker als bei Personen, die Geld für ein Erlebnis ausgeben, bleibt die Sorge über diese Alternativen lange im Kopf. Dazu kommt, dass die Zufriedenheit mit einem materiellen Gegenstand vermindert wird, wenn er in Gegenwart eines besseren oder günstigeren Produktes erworben wird. Alleine zu wissen, dass es technisch überlegenere Kameramodelle gibt, mindert die Freude an meinem Apparat, ungeachtet der Tatsache, dass er für mich völlig ausreichend ist. Die Zufriedenheit mit Erlebnissen wird durch diese Faktoren weit weniger beeinflusst.

Und was lernen wir daraus?

Wenn ihr die Enttäuschung darüber vermeiden wollt, dass ihr zwei Wochen nach Erwerb eures Produktes eine günstigere Option auf dem Markt findet oder euer Nachbar zeitgleich mit einem besseren Produkt aufwartet, wenn ihr euren Kopf in den nächsten Wochen und Monaten für etwas wichtiges gebrauchen und ihn nicht auch noch Wochen nach der Entscheidungsfindung mit längst irrelevanten Informationen belasten wollt, dann investiert lieber mal wieder in eine schöne Erfahrung. Eure Zufriedenheit wird es euch danken.

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