Optimismus – eine Lebensauffassung die glücklich macht

Halbvoll oder Halbleer? Das ist hier die Frage. Denn je nachdem, ob man ein Glas, dessen Flüssigkeitsmenge die Hälfte ausmacht, als halbvoll oder halbleer bezeichnet, teilt sich die Welt in zwei Lager: in Optimisten und Pessimisten. Optimisten freuen sich darüber, dass das Glas noch halbvoll ist, während Pessimisten beklagen, dass die Hälfte schon fehlt.

Optimisten vs. Pessimisten

Optimismus - GlücksdetektivEin Optimist geht davon aus, dass ihm gute Dinge widerfahren werden. Er sieht Möglichkeiten, wo ein Pessimist nur Gefahren des Scheiterns erkennt. Optimisten verlieren auch im Angesicht von Herausforderungen und Krisen nie die Hoffnung. So wie sie alle Dinge im Leben in einem positiveren Licht sehen, glauben sie schlicht weg daran, dass sich alles zum Guten kehren wird.

Pessimisten hingegen gehen davon aus, dass ihnen negative Dinge widerfahren werden. Krisen und Fehlschläge sehen sie als Bestätigung für ihr Weltbild. Sie sorgen sich um die Zukunft, zweifeln daran, dass sie ihre Ziele erreichen werden und erwarten das Schlimmste.

Einige kritische Stimmen mögen jetzt behaupten, dass es doch egal ist auf welche Weise man der Realität begegnet. Ob Optimisten eine rosarote Brille aufsetzen oder Pessimisten alles in Schwarz tauchen ändert doch nicht daran, wie die Welt tatsächlich funktioniert. Aber das ist ein Trugschluss. Denn je nachdem, wie wir über die Welt denken, handeln wir auch. Und je nachdem, wie wir handeln, verändert sich die Realität.

Ein Beispiel: Die negative Sichtweise des Pessimisten führt dazu, dass er sich schneller entmutigen lässt und früher aufgibt. Er verfällt in Hoffnungslosigkeit und Depression. Und damit nimmt er sich die Möglichkeit, Einfluss auf sein Leben auszuüben.

Optimismus - GlücksdetektivDie positiven Erwartungen der Optimisten hingegen wirken motivierend und können zielführendes Verhalten in Gang setzen. Darüber hinaus wenden Optimisten in stressreichen Situationen bessere Bewältigungsstrategien an. Auf Misserfolge reagieren sie Problem-fokussiert, indem sie versuchen die Gründe für ihr Scheitern aufzudecken und an diesen zu arbeiten.

Pessimisten hingegen neigen eher zu Verdrängung oder sozialem Rückzug, was das Problem jedoch nicht aus der Welt schafft.

Warum es besser ist ein Optimist zu sein

Auf Grund dieser und weiterer Unterschiede im Denken und Verhalten von Optimisten und Pessimisten kommt es zu unterschiedlichen Folgen für das Wohlbefinden: So konnte eine Vielzahl psychologischer Studien nachweisen, dass optimistische Menschen dazu neigen zufriedener, gesünder und erfolgreicher zu sein. Sie haben einen höheren Selbstwert und erfahren in der Not weniger Kummer. Während Pessimisten dazu neigen, Depressionen zu entwickeln, sind Optimisten deutlich widerstandsfähiger gegen eine ganze Reihe psychischer Störungen. Sie sind sogar weniger schmerzempfindlich, erholen sich schneller von Schicksalsschlägen und leben länger als ihre pessimistischen Zeitgenossen.

Kann man Optimismus lernen?

Das sind nur einige Gründe, warum es sich lohnt, ein bisschen optimistischer in die Welt zu schauen. Aber ist das überhaupt möglich? Können wir Optimisten werden?

Optimismus - GlücksdetektivOptimismus ist Persönlichkeitseigenschaft und als solche relativ stabil über die Lebensspanne. Eine optimistische Lebenseinstellung ist aber durchaus erlernbar. Dafür ist es zunächst einmal nötig, seine negative Sicht der Dinge in Frage zu stellen. Während Optimisten nämlich die Ursache für angenehme Ereignisse stabil in sich selbst sehen und unangenehme Ereignisse vorübergehenden, situationsbedingten Ursachen zuschreiben, verhält es sich bei Pessimisten umgekehrt.

Bekommt ein Optimist in einer Prüfung eine hervorragende Note, schreibt er diesen Erfolg seinen eigenen Fähigkeiten oder seiner einnehmenden Persönlichkeit zu. Ein Pessimist würde den Prüfungserfolg eher auf den Zufall schieben und z.B. behaupten, dass er Glück gehabt habe oder der Prüfer besonders guter Laune war. Vermasselt er die Prüfung allerdings, sieht der Pessimist die Schuld bei sich selbst und hält sich auch über dir Prüfungssituation hinaus für dumm und nicht gut genug.

Und was lernen wir daraus?

Wir alle kennen sie. Diese Personen, denen scheinbar alles zu gelingen scheint. Die selbst im Antlitz der größten Schwierigkeiten ihren Mut nicht verlieren. Die unbedarft in die Welt schauen und immer guter Dinge zu sein scheinen. Wir mögen sie verachten, für naiv oder schlicht weg dumm halten. Letzten Endes bewundern wir sie doch für ihre Fähigkeit, das Leben stets von seiner besten Seite zu betrachten. Und das mit Fug und Recht, zeigt uns die Wissenschaft doch, welche Vorteile Optimisten genießen.

Wer auch in den Genuss dieser lebensbejahenden und lebensverlängernden Eigenschaft kommen möchte, der tut gut daran, seine eigenen negativen Gedanken zu überprüfen und zu hinterfragen. Bedeutet ein Scheitern im Bewerbungsverfahren tatsächlich, dass ich nicht gut genug bin oder könnten auch andere Gründe dafür verantwortlich sein?

Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Im Zweifel also einfach optimistisch denken. Das ist nicht nur angenehm und macht Freude, sondern wirkt auch noch aktivierend, motivierend und somit häufig zielführend.

Literatur:

  • Carver, C. S., Scheier, M. F. & Segerstrom, S. C. (2010). Optimism. Clinical Psychology Review, 30(7), 879–889.
  • Hanssen, M. M., Peters, M. L., Vlaeyen, J. W., Meevissen, Y. M. & Vancleef, L. M. (2013). Optimism lowers pain: Evidence of the causal status and underlying mechanisms. Pain, 154(1), 53–58.
  • Schueller, S. M. & Seligman, M. E. P. (2008). Optimism and pessimism. In K. S. Dobson & D. J. A. Dozois (Hrsg.), Risk Factors in Depression (S. 171–194). San Diego, CA: Academic Press.
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